PNP-Serie zum 50.Geburtstag NP

Am Anfang stand nur eine Idee

Serie des Grafenauer Anzeigers zum 50. Nationalpark-Jubiläum im Jahr 2020- Initiativen zur dessen Errichtung begannen bereits 1967.
18.01.2018 | Stand 18.01.2018, 02:17 Uhr

 

Er begleitete die Entstehung des Nationalpark von der ersten Stunde an: Michael Haug. - F.: Nigl

Grafenau.

Was heute als das Markenzeichen unserer Region gilt, ist unter großen Wehen entstanden. Die Rede ist vom Nationalpark Bayerischer Wald, der im Jahr 2020 seinen 50. Geburtstag feiern wird. Anlass genug für den Grafenauer Anzeiger, im Vorfeld eine kleine Serie zu starten, die den Weg bis zur Geburt des Parks aufzeigt. Autor ist Michael Haug, langjähriger Nationalparkmitarbeiter der ersten Stunde, der dessen Entstehungsgeschichte wohl wie kein Zweiter kennt.
Wie gesagt, am 7. Oktober 1970, wurde der Nationalpark Bayerischer Wald offiziell aus der Taufe gehoben. Die Initiativen begannen aber bereits drei Jahre vorher, so lässt sich u.a. der 17. Januar 1967 nennen - wo erstmals eine Art Nationalparkkonzept aufgetaucht ist.
Haug war vor 50 Jahren Student der Landschaftspflege und der Landschaftsplanung an der TH München-Weihenstephan. Damals, in der Endphase des Studiums, sei die Idee, im Bayerischen Wald einen Nationalpark zu gründen, heftig diskutiert worden. Prof. Wolfgang Haber, damaliger Leiter des Instituts für Landschaftsökologie, hatte den Auftrag erhalten, ein Gutachten für die Nationalparkpläne zu verfassen. Auftraggeber war der Deutsche Rat für Landschaftspflege. "Ist es für Deutschland möglich, einen Nationalpark auszuweisen?" Das war die Frage, um die sich laut dem mittlerweile 78-jährigen Haug die Fachwelt mächtig gestritten habe.
Der etablierte Naturschutz habe damals die Gedanken eines Nationalparks im Bayerischen Wald rundweg abgelehnt. Und das, obwohl Ende Januar 1968 Abgeordnete des Bayerischen Landtags sowie die CSU und die SPD Anträge für die Errichtung eines Nationalparks Bayerischer Wald eingereicht hatten. Die Anträge der CSU allerdings hätten sich laut Haug lediglich auf einen Nationalpark im "Lusengebiet" beschränkt. Die SPD-Abgeordneten hätten einen Nationalpark im Rachel-Lusengebiet mit mindestens 9000 Hektar Fläche gefordert. Beide Anträge hätten einen ausreichenden Schutz der angrenzenden Land- und Forstwirtschaften sowie die ausreichende Beachtung der Lebensinteressen der angrenzenden Landwirtschaft beinhaltet. Außerdem solle der Bund für eine finanzielle Beteiligung gewonnen werden. Das waren die Forderungen der Abgeordneten.
Neben dem Artenschutz erhofften sich die Nationalparkbefürworter außerdem eine Belebung des Tourismus. Um die Ziele und Vorstellungen konkreter zu fassen, wurde im Vorfeld auch ein "Zweckverband zur Förderung des Projektes eines Nationalparks im Bayerischen Wald" gegründet. Mit dem Begriff "Nationalpark" verbanden die damaligen Initiatoren eine erhoffte staatliche Förderung der strukturschwachen Region sowie ein Engagement der Bundesregierung. Auch wollte man mit dem Begriff Nationalpark nach amerikanischem Vorbild auf dem internationalen Markt mithalten können.
Die erste Nationalparkkonzeption ist im Jahr 1967 entstanden und wurde vom Zweckverband an die Regierung von Niederbayern weitergeleitet. In diesem Konzept waren eine Mindestgröße von 6000 Hektar sowie genaue Angaben zu Art und Zahl der zu haltenden Tiere vorgesehen. Bei den ersten Überlegungen über ein geeignetes Gebiet sei vorrangig vom Staatswald zwischen Sagwasser und Reschwasser östlich vom Lusen ausgegangen worden, doch auch das Staatswaldgebiet westlich des Lusens sei immer wieder im Gespräch gewesen. Für Probleme sorgte allerdings die Tatsache, dass die relativ geringe Fläche von 6000 Hektar nicht mit einem "Groß-Schutzgebiet" mit ungestörter Entwicklung konform gehen konnte. Im Plan, der die Unterschrift des damaligen Zweckverbandsvorsitzenden und Nationalpark-Motors Karl Bayer trägt, waren zirka 900 Hektar Kahlschläge, 30 Kilometer lange Zäune und eine "Großfütterung" auf jeweils sechs Quadratkilometer großen Flächen vorgeschlagen. Kosten sollte die Errichtung des Nationalparks 6,5 Millionen Mark, und auch Vorstellungen über eine künftige Holznutzung wurden formuliert. Die Holznutzung sollte schrittweise auf zwei Drittel der bisherigen Nutzung zurückgefahren werden. Dieser Plan wurde am 18. Oktober 1967 eingereicht.

Das Haber-Gutachten als Geburtshelfer
2. Teil der Serie des Grafenauer Anzeiger zum 50. Jubiläum des Nationalparks im Jahr 2020 - Am Anfang stand viel Papier
02.02.2018 | Stand 02.02.2018, 09:06 Uhr

Grafenau. Was heute als das Markenzeichen unserer Region gilt, ist unter großen Wehen entstanden. Die Rede ist vom Nationalpark Bayerischer Wald, der im Jahr 2020 seinen 50. Geburtstag feiern wird. Anlass genug für den Grafenauer Anzeiger, im Vorfeld eine kleine Serie zu starten, die den Weg bis zur Geburt des Parks aufzeigt.
Autor ist Michael Haug, langjähriger Nationalparkmitarbeiter der ersten Stunde, der dessen Entstehungsgeschichte wohl wie kein Zweiter kennt. Im zweiten Teil geht es um das Haber-Gutachten, das am heutigen 2. Februar ein Jubiläum feiern kann.
Am 2. Februar 1968 wurde nämlich das Haber-Gutachten (erstellt vom Münchner Professor Wolfgang Haber) an den Bayerischen Ministerpräsidenten, den Landtag und den Senat geschickt und sollte in den darauf folgenden Diskussionen eine zentrale Rolle spielen. Anderthalb Jahre später wurde das Gutachten zur Grundlage für den Beschluss des Bayerischen Landtages zum Nationalpark Bayerischer Wald. Gleichzeitig diente es als Arbeitsgrundlage für die staatlichen Beamten und Angestellten, die ab November 1969 mit der Umsetzung der Beschlüsse des Bayerischen Landtages betraut wurden. Bereits bei der Veröffentlichung sei laut Haug ein grundsätzliches Missverständnis entstanden, das den Nationalpark mindestens ein Jahrzehnt begleiten sollte.
Dem Haber-Gutachten lagen die Planungsüberlegungen vom Zweckverband zur Förderung des Projektes eines Nationalparks vor. Deswegen ist eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit diesen Nationalpark-Plänen erforderlich gewesen. Die Bemühungen um die Schaffung eines großen Vollnaturschutzgebietes seien "in sehr positiver Weise" begrüßt worden. Haber hält fest: "Der Begriff Nationalpark hat keinen eindeutigen Inhalt. Bestehende europäische Nationalparks können nicht ohne weiteres als Vorbilder herangezogen werden. [...] Die unvoreingenommene Prüfung der landschaftsökologischen Voraussetzungen des Projekts zeigt, dass es als Bergwald-Nationalpark mit dem vorhandenen Wildbestand nicht zu verwirklichen wäre. Wenn man der Meinung ist, ein großes Stück Natur [...] zum Nationalpark zu erheben, dann würde sich der Hintere Bayerische Wald [...] vorzüglich dazu eignen und nicht nur der zur Zeit dafür ausersehene Ausschnitt von 50 Quadratkilometer im Umkreis des Lusen."
Neben den vorhandenen Wildarten sollten vielleicht auch Bär, Luchs, Wisent, Elch, Wildpferd, Schwarzwild und Biber hier eine neue Heimat finden. Umfangreich setzte sich Haber mit den Beobachtungsmöglichkeiten für Wildtiere in Waldgebieten auseinander sowie mit der Idee, aus touristischen Überlegungen Schaugehege anzulegen.
Laut Haber soll der geplante Park nicht auf das kleine Gebiet zwischen Lusen und Mauth beschränkt, sondern nach Nordwesten bis etwa zur Linie Rachel - Bhf. Klingenbrunn ausgedehnt werden. Als Südgrenze wäre die Trasse der alten Spiegelauer Waldbahn geeignet.
In diesem Gebiet werden mindestens fünf Großwild-Schaugehege von jeweils 6 bis15 Hektar Größe angelegt, und zwar an der südlichen, klimatisch und verkehrsmäßig begünstigten Grenze. In diesen Gehegen sollen Rothirsche, Wildschweine, Bären, Wisente und Elche gehalten werden. Als Plätze würden in Frage kommen: Neuhütte, Guglöd, Altschönau, Weidhütte und Glashütte.
Der im Parkgebiet frei lebende Großwildbestand soll im wesentlichen aus Rotwild, daneben aber auch aus Gemsen, Mufflons und Rehen bestehen und eine Kopfzahl von 220 bis 230 Stück nicht überschreiten.
Der Wald wird weiterhin naturgemäß gepflegt und die Holznutzung fortgesetzt, doch hat diese sich den Erfordernissen des Parkes unterzuordnen, z. B. durch Erhöhung der Umtriebszeit.
Die Erschließung des Gebietes mit Fahr- und Wanderwegen wird fortgesetzt und durch Reitwege ergänzt. Eine kleine Anzahl von Fahrwegen ist für den Kraftwagenverkehr freizugeben, und zwar in einem Einbahn-Rundverkehr. Alle übrigen Fahrwege sollen nur für den Verkehr von Kutschwagen und Schlitten zugelassen werden.
Durch mindestens fünf Wald- und Wildlehrpfade werden der Wald und seine Tier- und Pflanzenwelt unter besonderer Berücksichtigung der Eigenarten des Gebietes den Besuchern näher gebracht. Dazu können auch die vorhandenen Naturschutzgebiete herangezogen werden, vor allem - nach dem Vorbild der Anziehungskraft des Kubany-Urwaldes - die urwaldartigen Bestände in der Rachelseewand, am Lusen sowie im Bärenriegel.
Der Park wird auf Grund eines besonderen Gesetzes als Selbstverwaltungskörperschaft eingerichtet. An deren Spitze stehen ein Direktor - möglichst ein Forstmann - und ein Verwaltungsrat, dem Vertreter der Gemeinden, Landkreise, des Regierungsbezirkes, Landes und des Bundes sowie je ein Zoologe, Botaniker, Jagdwissenschaftler, Forstwirt und Landschaftsökologie angehören.
Für den Landschaftsplan und für die erforderlichen Einzellandschaftspläne sollte die von den Naturparken bewährte Dreiteilung in eine Anreise- und Einkehrzone um die Orte Klingenbrunn, Spiegelau, St. Oswald, Schönanger/Neuschönau und Mauth (die außerhalb des Parkes bleiben können), eine Spazier- und Lagerzone in den Waldrand- und randnahen Waldgebieten im Gebiet der "warmen Hangzone", wo auch die Wildgehege, Waldlehrpfade sowie die Winterfütterungen mit Erlebnismöglichkeiten für Wildbeobachtungen und der Naturschutz- bzw. Urwaldgebiet sowie weiteren Lehrpfaden, Schutzhütten und -dächern Anwendung finden. Letztere bildet das eigentliche Kerngebiet des Nationalparkes, zumal die Bergfichtenwälder die naturnahesten Gebiete darstellen, und sollte auch ein Jagdbanngebiet werden.
Diese Vorschläge wurden Teil des Landtagsbeschlusses vom 11. Juni 1969.

 

Seilbahn und Skizirkus: große Tourismus-Pläne als Geburtshelfer

Teil 3 der Serie des Grafenauer Anzeiger zum Nationalpark-Geburtstag im Jahr 2020 - Michael Haug blickt auf die Anfangsjahre zurück
20.02.2018 | Stand 20.02.2018, 03:34 Uhr
Grafenau. Was heute als das Markenzeichen unserer Region gilt, ist unter großen Wehen entstanden. Die Rede ist vom Nationalpark Bayerischer Wald, der im Jahr 2020 seinen 50. Geburtstag feiern wird. Anlass genug für den Grafenauer Anzeiger, im Vorfeld eine kleine Serie zu starten, die den Weg bis zur Geburt des Parks aufzeigt.
Autor ist Michael Haug, langjähriger Nationalparkmitarbeiter der ersten Stunde, der dessen Entstehungsgeschichte wohl wie kein Zweiter kennt. Im dritten Teil geht es um den Tourismus, dem in den Jahren vor der Nationalpark-Gründung eine immer größere Bedeutung zukam.
"Das letzte Drittel der 60-er Jahre war eine spannende Zeit für den gesamten Bayerischen Wald. Auf der einen Seite die Entwicklungsstrategen. Es war allgemein bekannt, dass der Bayerische Wald wirtschaftlich unterentwickelt war. Es bestand wohl wenig Hoffnung, dass die Region zukunftsträchtige Industrie an Land ziehen konnte.
Für die Schaffung von Arbeitsplätzen schien die Entwicklung des Tourismus eine große Chance. Deswegen kamen vielfältige Vorschläge ans Tageslicht. Der schneesichere Bayerische Wald bot vor allem Möglichkeiten für den Wintersport. Der aufkommende Trend führte über die ganze Region zu zahlreichen Initiativen. Die Investitionen wurden durch staatliche Wirtschafts-Fördermittel unterstützt.
Die Wälder entlang der Grenze waren jedoch weitgehend in staatlichem Besitz. Ohne die Zustimmung und Bereitschaft zur Unterstützung war hier wenig auszurichten. Am Dreisessel entstand damals der längste Schlepplift Deutschlands. Auf den Südwesthängen des Dreiländerbergs wurde eine breite Schneise in den Wald geschlagen.
Die Kreisstraße, die ebenfalls in dieser Zeit an die Gipfelregion des Dreisessel gebaut wurde, musste mit zwei (besonders hässlichen) Betonbrücken überspannt werden, je eine für die Lift-Trasse und eine für die Abfahrt. Am Almberg entstand in dieser Zeit ebenfalls eine neue Abfahrt, die an den Südwesthängen in den Staatswald geschlagen wurde.
Damit das Skifahren möglich ist, mussten umfangreiche Planierungen durchgeführt werden. Solche nachhaltigen Veränderungen des Landschaftsbildes und Eingriffe in den Naturhaushalt riefen - verständlicherweise - die Naturschützer auf den Plan.
Auslöser für die massiven Forderungen nach einem Nationalpark im Rachel-Lusen-Gebiet waren ähnliche Pläne, die die Landschaft noch wesentlich stärker in Mitleidenschaft gezogen hätten.
So gab es beispielsweise die Vorstellung, vom oberen Reschbachtal einen Sessellift in Richtung Lusen zu bauen, verbunden mit entsprechenden Schneisen für die Abfahrt mit Skiern. In Spiegelau entstand die Vorstellung, eine Seilbahn auf den Rachel zu bauen und in der Gegend der Fredenbrücke sollten die Hänge in Richtung Plattenhauser und Spitzberg in einen Skizirkus umgewandelt werden.
In Waldhäuser war in Privatinitiative ein attraktives Angebot für den alpinen Skilauf entstanden. Der zuständige Naturschutz-Fachmann, der mit all diesen Plänen konfrontiert wurde, war während dieser Jahre Diplomforstwirt Hubert Weinzierl, der bei der Regierung von Niederbayern das Amt des "Beauftragten für Naturschutz" bekleidete. Dieses Amt wurde seinerzeit ehrenamtlich vergeben. Hauptamtliche, für Naturschutzfragen zuständige Bedienstete, gab es seinerzeit weder bei der Regierung noch bei den Landratsämtern.
Die Naturschützer standen vor einem schwer lösbaren Dilemma: "Ihr könnt nicht ständig Nein sagen!" Aus den persönlichen Bekenntnissen von Hubert Weinzierl geht hervor, dass die vielfältigen und massiven Entwicklungsvorstellungen seitens der Wirtschaftsstrategen der Auslöser dafür waren, dass er die Pläne wieder aufgriff, die eigentlich schon Anfang der 50-er Jahre endgültig zu den Akten gelegt worden waren:"Versucht es doch mit einem Nationalpark. Deutschland hat zwar schon 40 Naturparke, aber bislang noch keinen echten Nationalpark!"

                                             Ein wichtiger Motor der Nationalpark-Idee
Teil 4 der Serie des Grafenauer Anzeiger zum Nationalpark-Jubiläum im Jahr 2020 - Heute: die Rolle von Karl Bayer
05.04.2018 | Stand 04.04.2018, 18:26 Uhr
Grafenau. Was heute als das Markenzeichen unserer Region gilt, ist unter großen Wehen entstanden. Die Rede ist vom Nationalpark Bayerischer Wald, der im Jahr 2020 seinen 50. Geburtstag feiern wird. Anlass genug für den Grafenauer Anzeiger, im Vorfeld eine kleine Serie zu starten, die den Weg bis zur Geburt des Parks aufzeigt.
Autor ist Michael Haug, langjähriger Nationalparkmitarbeiter der ersten Stunde, der dessen Entstehungsgeschichte wohl wie kein Zweiter kennt. Im vierten Teil der Serie geht es um einen der wichtigsten Streiter für den Nationalpark - nämlich den Grafenauer Karl Bayer (*1925, †1995).

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Foto: Egon M. Binder/PNP/Grafenauer Anzeiger

So stellt z. B. Georg Sperber in einem Vortrag vom September 2000 fest: "Der Naturschutz-Stratege Hubert Weinzierl, der populäre Nationalpark-Experte Bernhard Grzimek und der Pragmatiker Karl Bayer ergänzten sich ideal zur Führungsspitze der Nationalparkbewegung!"
Wer war Karl Bayer? Er stammte aus Unterfranken, hatte Forstwissenschaft studiert und war nach seiner Referendarzeit zunächst Beamter in Diensten der staatlichen Forstverwaltung, Mitarbeiter im staatlichen Sägewerk in Spiegelau, später Forstmeister beim staatlichen Forstamt Spiegelau. Bei den Wahlen zum Bayerischen Landtag im Jahr 1962 kandidierte er für die SPD und erreichte ein Landtagsmandat. Damit wechselte er aus dem Forstdienst in die Politik. Sein kommunales Engagement trug bereits im Jahr 1964 - damals völlig überraschend - erste Früchte.
Im Landkreis Grafenau wurde der etablierte CSU-Landrat Bogenstätter bei den Kommunalwahlen abgewählt. Mit knappem Ergebnis konnte Bayer damals sensationell den Landrats-Sessel in Grafenau erobern. Sein Mandat als Landtagsabgeordneter erlosch nach einer Legislaturperiode 1966, weil zwischenzeitlich eine gesetzliche Regelung geschaffen wurde, dass die beiden Ämter nicht mehr gleichzeitig ausgeübt werden dürfen.
Als Landrat von Grafenau wurde im letzten Drittel der 60er Jahre zur Speerspitze der regionalen Befürworter des Nationalparks. Aufgrund seiner forstlichen Vergangenheit kannte er die Wälder und war entsprechend fachlich versiert. Seine landespolitischen Erfahrungen als Abgeordneter kamen ihm zu Gute und er kannte die Forstverwaltung als Insider.
Mit seiner umgänglichen Art und seiner Beredsamkeit kam er bei der Bevölkerung gut an. Zentrale Ursache seines erfolgreichen Einsatzes für den Nationalpark war jedoch sein Organisationstalent und seine Durchsetzungsfähigkeit. Ihm gelang es in kurzer Zeit, dass der Eindruck entstehen konnte, die gesamte Region steht einmütig hinter der Idee, dass im Gebiet zwischen Rachel und Lusen ein Nationalpark entstehen soll.Bedenken, die von verschiedensten Seiten vorgebracht wurden, konnte er wirksam in Schach halten. Vor allem gelang es ihm, dass die Wünsche entsprechend massiv und wirksam "nach oben" vertreten wurden und dass er bei der Regierung von Niederbayern qualifizierte Mitarbeiter gewinnen konnte, an der Spitze der Regierungspräsidenten Johann Riederer.
Auf kommunaler Ebene entstand - landkreisübergreifend - ein Zweckverband, der die Pläne vorantreiben sollte. Die Landkreise Wegscheid mit dem damaligen Landrat Muthmann sowie die Landkreise Wolfstein und Grafenau, marschierten in dieser Sache gemeinsam.
Karl Bayer war sehr offen gegenüber den Beamten und Angestellten die seit November 1969 mit der Verwirklichung der Pläne für den Nationalpark beauftragt waren. Es war allgemein bekannt, dass die Bayerische Staatliche Forstverwaltung in München und die Oberforstdirektion in Regensburg der Idee eines Nationalparks gegenüber sehr skeptisch bis ablehnend gegenüber standen. Er unterstützte das neue Nationalparkamt tatkräftig und machte immer wieder seinen kommunalpolitischen Einfluss geltend.
Als Vorsitzender der Fremdenverkehrsgemeinschaft Grafenau war er maßgeblich daran beteiligt, dass in den Anfangsjahren eine dringend notwendige Infrastruktur für die Besucher des Nationalparks geschaffen wurde. Nach der kommunalen Gebietsreform (Zusammenlegung des Landkreises Wolfstein und Grafenau) verlor Bayer sein Amt als Landrat. In der Folgezeit war er Bürgermeister der Stadt Grafenau.

 

 

 

 



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