Silvester der Grenze entlang

Silvester an der Grenze entlang

35 Mitglieder des Vereins Pro-Nationalpark wanderten von der Schmelz nach Lebuachert

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Die Heidensteine - ein Ort, dessen Geheimnis noch nicht genau erforscht ist. -Foto: Schörnich

 

Hinterfirmiansreut. Mit der traditionellen Silvesterwanderung, einer grenzüberschreitenden Tour in die Vergangenheit, beendeten 35 Mitglieder des Vereins Pro-Nationalpark Freyung-Grafenau ein ereignisreiches Jahr. Waldführerin Jutta Pongratz begleitete die Gruppe von Hinterfirmiansreut durch das Lebuachert", ehemals Ober- und Unterlichtbuchet mit Scheuereck im Böhmerwald, zum Heidenstein.
"Tief drin im Böhmerwald, da ist mein Heimatort..." - einige der Gruppe kannten den kleinen Bereich im großen Böhmerwald, "s‘Lebuachert", wie die ehemaligen Bewohner sagten, nur aus Erzählungen von Eltern, Großeltern oder den Heimatvertriebenen. Mancher auch nur aus der Ferne. Von Mitterfirmiansreut hat man einen schönen Blick auf die ehemaligen Dörfer, die nach der Vertreibung "geschleift" wurden.
Heute erinnern nur noch Grundmauern, die mühsam errichteten Terrassen auf den Feldern oder Erinnerungstafeln an diese einst hochentwickelte Kulturlandschaft. Das, was die Bewohner mühsam der Natur abgerungen haben, hat der Wald zu großen Teilen zurückerobert. "Zum Glück werden einige Flächen noch beweidet. Sonst wäre bald von den Resten der Dörfer überhaupt nichts mehr zu sehen", machte Jutta Pongratz an Beispielen deutlich.
Die Tour beginnt in Hinterfirmiansreut, der Schmelz, wie der Ort im Volksmund genannt wird. Der schmale Wanderweg ab Ende der Straße führt über die Grenze nach Unterlichtbuchet und über den Kesselbach hinauf nach Oberlichtbuchet, Horní Světlé Hory. Das Holzhauerdorf bestand einst aus 95 Häusern. Hier lebten 600 Menschen. Was blieb, sind Überreste der Grundmauern, steinerne Terrassen, die Ruine des Schulhauses und - die Erinnerung.
Während Jutta Pongratz von Erlebnissen mit ehemaligen Einwohnern erzählte, ordnete Heinrich Vierlinger das damalige Geschehen geschichtlich ein. Wer sieht, wie der Wald sich in den letzten Jahrzehnten ausbreitete, kann kaum nachvollziehen, dass hier Menschen lebten, sich einen Lebensraum und Besitz schufen und mühevoll ihrer Arbeit nachgingen. Die steinernen Zeugen begleiteten die Gruppe auf dem weiteren Weg, bergauf und -ab, durch eine herrliche, stille Winterlandschaft hinauf auf 1060 Meter, zu den Heidensteinen. Zwischendurch hatte man wieder den freien Blick auf das gegenüberliegende Mitterfirmiansreut mit dem Almberg und Kirchenlift. Auf dem bewaldeten Bergkamm Homole stehen die Heidensteine, sogenannte Menhire. So lautet die Bezeichnung für einen vorgeschichtlichen, hochragenden Steinblock. Eine rund sechs Meter hohe Steinformation, die wie eine gedrungene Säule aus der Erde ragt. Darauf stehen zwei Steine im Abstand von einem Meter in ähnlicher Form. Man nennt die Formation auch "Sonnenwendsteine". Die Ost-West-Richtung des Durchgangs zeigt den Sonnenaufgang und -untergang am Tag der Sonnenwende an, informiert eine Schautafel.
Felsformation als mystischer OrtDie Felsformation stammt vermutlich aus der vorkeltischen Zeit und wurde zu astronomischen Zwecken und auch Riten genutzt. Ein mystischer Ort, der wirklich fasziniert. Wie ein kleines "Stonehenges" des Sumava. Aber auch der passende Platz, um mit dem gemeinsam gesungenen Lied "Tief drin im Böhmerwald", den jüngst verstorbenen Mitglieder Marion Schneider und Wolfgang Bäuml zu gedenken.
Nach gut drei Stunden wartete am Ausgangspunkt der Tour eine Überraschung. Kurt Denk als Mitgliederbeauftragter des Vereins hatte den mitgebrachten Kanonenofen angeheizt und wartete mit dampfenden Glühwein auf die Wanderer.

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Gruppenbild, Foto:Schörnich

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Sonnwendsteine oder Heidensteine,Foto:Schörnich

 Dank an unser Mitglied Jens Schörnich für den Artikel.

 



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